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Militärisches Entscheiden - Voraussetzungen, Prozesse und Repräsentationen einer sozialen Praxis von der Antike bis zur Gegenwart

Jahrestagung 2017 des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V
Datum: 
Donnerstag, 19. Oktober 2017 bis Samstag, 21. Oktober 2017
Ort: 
Münster
Deadline: 
Donnerstag, 12. Oktober 2017

Militärisches Handeln ist, so suggerieren Quellen und Historiographie, vor allem Entscheidungshandeln. In der Forschung ist häufig von "militärischen Entscheidungsträgern" die Rede, die in historische Prozesse eingreifen und damit sprichwörtlich Geschichte machen. Auf diese Weise werden Entscheidungen zu Schlüsselereignissen in der Kriegführung, die über Sieg und Niederlage bestimmen.

Solchen Beschreibungen liegt ein Modell rationaler Akteure und Verfahren zugrunde, die auf Basis der verfügbaren Informationen kühl wägend ihre Entschlüsse fassen. Niklas Luhmann hingegen regt an, Konstitution, Gegenstände und Zeitlichkeit des Entscheidungshandelns zu beleuchten. Andere Autoren betonen im Kontext der Spieltheorie oder des Gruppendenkens die Variabilität von Entscheidungen im Zusammenwirken mehrerer Akteure. Der Sonderforschungsbereich 1150 "Kulturen des Entscheidens" in Münster, der Gastgeber der Jahrestagung ist, versteht Entscheiden beispielsweise als kommunikativen Prozess, der in seinen spezifischen historischen Konstitutionsbedingungen untersucht werden muss. Weiterhin weist die neuere Organisationssoziologie auf Faktoren wie Mitgliedschaft, Zweck und Verfahren hin, welche Entscheiden als soziale Praxis beeinflussen.

Die Konferenz will solche Entscheidungstheorien auf das Feld der Militärgeschichte wenden und fragt danach, ob es spezifisch militärische Entscheidungskulturen gibt. Mit dieser Problemstellung zielt sie auf eine epochenübergreifende Historisierung militärischen Entscheidens und damit auf eine Dekonstruktion eines häufig unkritisch übernommenen historiographischen Konzepts. Damit stehen die Strukturen des Entscheidens im Mittelpunkt der Analyse, nicht die einzelne Entscheidung.

Anmeldungen bitte an Sebastian Schaarschmidt (sebastian.schaarschmidt[at]phil.tu-chemnitz[dot]de).

Für Teilnehmer, die nicht Mitglieder des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V. oder Angehörige des SFB 1150 sind, wird vor Ort eine Tagungsgebühr von  € 10  erhoben.

Organisatoren der Tagung:  Prof. Dr. Martin Clauss (Technische Universität Chemnitz) | Prof. Dr. Martin Kintzinger (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) | Dr. Christoph Nübel (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam) | Dr. habil. Markus Pöhlmann (Universität Potsdam)

Der AKM dankt dem Sonderforschungsbereich 1150 "Kulturen des Entscheidens" für die finanzielle Unterstützung der Tagung

Tagungsort:  Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Krummer Timpen 3, 48143 Münster

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Programm:

Donnerstag, 19. Oktober 2017

13.00  Eröffnung der Veranstaltung - Stig Förster

13.10  Begrüßung und Vorstellung des SFB 1150  -  Ulrich Pfister

13.30  Einführung  -  Christoph Nübel

13.50  Keynote  -  Wolfram Pyta:  Hasardspiel oder Kriegswissenschaft - Rhapsodische Überlegungen zur militärischen Entscheidungskultur 

14.50  Kaffeepause

15.00  Sektion 1  -  Lernen

Chair:  Gundula Gahlen

Michael Sikora:  Kann man Feldherr lernen? Eigenschaften des militärischen Entscheiders in den militärtheoretischen Schriften des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts 

Marco Sigg:  Dezisionismus als Denkstil. Auftragstaktik im preußisch-deutschen Heer 1869-1945

Peter Mertens:  Militärische Entscheidungsvorbereitung und soziale Kognition. Anmerkungen zur Präsenz kognitiver "Abkürzungen" in der Beurteilung der Streitkräfte europäischer Neutraler durch den Generalstab des Feldheeres 1918

16.00  Diskussion

16.30  Kaffeepause

17.00  Sektion 2  -  Wissen

Chair:  Martin Clauss

Simon Puschmann:  More veterum consilium capere - Militärisches Entscheiden durch das Wissen der Vorfahren 

Michael Grünbart:  Prognostische Entscheidungsressourcen im byzantinischen Militärwesen

Jan Philipp Bothe:  Bellona als Vermesserin der Welt? Kartografisches Wissen als militärische Entscheidungsressource im 17. und 18. Jahrhundert

18.00  Diskussion

18.30  Pause

19.00  Abendvortrag  -   Bernd Greiner:  Das Unmögliche denken. Atomwaffen und politisch-militärische Entscheidungskulturen im Kalten Krieg

Freitag, 20. Oktober 2017

09.30  Sektion 3  -  Politik

Chair:  Christoph Rass

Florian Wieninger:  Die angebliche Entscheidungsfreiheit des Feldherren und die Senatspolitik in der römischen Republik: das Beispiel der Aufhebung von Massenversklavung

Lukas Grawe:  Militärisches Entscheiden in Zeiten politischer Spannung. Der deutsche Generalstab in den diplomatischen Krisen vor dem Ersten Weltkrieg

Martina Metzger:  Das Gewissen als Kriterium in militärischen Entscheidungsprozessen. Die Vorbildfunktion der Verschwörer vom 20. Juli 1944 und die "Innere Führung" als neues Entscheidungsinstrument

10.30  Diskussion

11.00  Kaffeepause

11.30  Sektion 4  -  Prozesse

Chair:  Stephan Ruderer

Simon Liening:  Militärische Unterstützung. Strukturen und Prozesse des Entscheidens in Städtebünden des späten Mittelalters

Carsten Siegel:  Stehen oder Gehen? Die Rolle Ostpreußens in der Planung des preußischdeutschen Generalstab 1894-1914

Roman Töppel:  Der Angriff auf Kursk im Sommer 1943 als Entscheidungsfindungsprozess 

12.30  Diskussion

13.00  Mittagspause

14.30  Sektion 5  -  Monarchen

Chair:  Martin Kintzinger

Sebastian Schaarschmidt:  Der mittelalterliche König im Prozess des militärischen Entscheidens am Beispiel der Stauferherrscher

Daniel Hohrath:  Friedrich II. – Roi Connetable

Frank Sterkenburgh: Emperor William I. and the problem of military command during the FrancoPrussian War, 1870-1871

15.30  Diskussion

16.15  Verleihung des Wilhelm-Deist-Preises

16.45  Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V.

Samstag, 21. Oktober 2017

09.00  Sektion 6  -  Kollektive

Chair:  Kerstin von Lingen

Oliver Landolt:  Das Kollektiv als schlachtentscheidende Instanz? Beispiele aus der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft

Thomas Weißbrich:  Generalstabs-Ikonographie. Zur bildlichen und musealen Präsentation von militärischen Entscheidungen

Thorsten Loch:  Selbstrekrutierung von Entscheidungseliten im deutschen Militär 1914-45. Primat sozialer Herkunft oder institutionalisierter Karrierestrukturen?

10.00  Diskussion

10.30  Kaffeepause

11.00  Sektion 7  -  Schlachten

Chair:  Christoph Nübel

Fabian Fellersmann:  Entscheiden in der hochmittelalterlichen Schlacht

Kai Lohsträter:  Feldposten als organisatorische Angelpunkte militärischen Entscheidens? Zu den Folgen der Transformation der Militärkommunikation in der Frühen Neuzeit

Markus Pöhlmann:  Die Abwehr der Invasion in Frankreich 1944. Raum, Kräfte und Dispositive

12.00  Diskussion

12.30  Schlussdiskussion:  Militärisches Entscheiden

13.00  Ende der Tagung

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Kontakt:

Sebastian Schaarschmidt, M. A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Professur Europa im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

TU Chemnitz

sebastian.schaarschmidt[at]phil.tu-chemnitz[dot]de

 

Marc Hansen

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