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Nerven und Krieg - Psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen in Deutschland 1900-1933

Datum: 
Donnerstag, 28. September 2017 bis Samstag, 30. September 2017
Ort: 
Berlin
Deadline: 
Montag, 7. November 2016

Das Thema Nerven hatte in den deutschen Kriegsdebatten seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts einen zentralen Stellenwert. In Politik, Öffentlichkeit, Militär oder Wissenschaft wurde die Frage diskutiert, welche Belastungen ein zukünftiger Krieg den Nerven der deutschen Bevölkerung abverlangen würde. Im Ersten Weltkrieg wurden Nervenstärke und Nervenschwäche dann zu häufig benutzten Kampfbegriffen. Hinzu kam nun die massenhafte Erfahrung von psychischen Versehrungen und Leiden. Und auch nach dem Kriegsende blieb die sozialpolitische Verwaltung und medizinische Behandlung der psychischen Kriegsbeschädigungen ein brisantes Thema. Gleichzeitig erfolgte eine erneute geistige Kriegsmobilisierung in der Weimarer Republik. Im "Dritten Reich" wurden schließlich durch die "Gleichschaltung" des Staates zunehmend alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in diese Entwicklung einbezogen.

Die geplante Tagung zielt darauf ab, das Verhältnis von Nerven und Krieg in der Vor- und Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs erstmals systematisch auszuloten und hierbei Kontinuitäten und Brüche zu bestimmen. Sie richtet den Blick sowohl auf die zeitgenössischen Nervendiskurse in Politik, Öffentlichkeit, Militär und Wissenschaft wie auch auf individuelle und gesellschaftliche psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen. Die Diskursebene analysiert die Verhandlung des Themas Nerven durch die Entscheidungsträger des Krieges (die politischen und militärischen Eliten), durch die medizinischen Spezialisten und durch die Presse. Die Praxisebene untersucht die Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen an der Front und in der Heimat im Ersten Weltkrieg sowie die Nachwirkungen in der Weimarer Republik.

Bei der Analyse des Themas Nerven und Krieg sollen fünf Leitfragen im Mittelpunkt stehen:

1.  Welche Bedeutung hatte das Konstrukt "Nerven" als Ressource für eine erfolgreiche Kriegsführung in den zeitgenössischen Diskursen?

2.   Inwieweit galt die Kriegszeit als Stresslaboratorium und als nervliche Belastungsprobe der Individuen wie auch der Nationen? Welche Rolle spielten hier sozialdarwinistische oder geschlechterspezifische Diskurse?

3.   Welche Zerstörungskraft und langfristigen Folgen hatte der Krieg auf die Psyche der beteiligten Individuen und auf die psychische Stabilität der Gesellschaft?

4.   Welche Anstrengungen wurden unternommen, um die Nerven der Bevölkerung zu mobilisieren und zu regenerieren? Welche Rolle spielte hier die Verwissenschaftlichung des Themas Nerven, sei dies in der Kriegspsychiatrie, in der Kriegspsychologie oder in den Wehrwissenschaften?

5.   Welche Bedeutung hatten Nerven in den nationalen Narrativen und den individuellen Sinnstiftungen und Deutungsmustern des Krieges?

Der räumliche Fokus der Tagung liegt auf Deutschland, der zeitliche Schwerpunkt auf der Endphase des Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Doch sind auch Themenvorschläge ausdrücklich erwünscht, die außerdeutsche Einflüsse, Transferbeziehungen oder Parallelentwicklungen in den Blick nehmen, wie auch solche Beiträge, welche den deutschen Fall in einen internationalen Zusammenhang einbetten. Ebenso sind Themenvorschläge willkommen, welche ihr Erkenntnisinteresse auf längerfristige Entwicklungslinien richten, die entweder bis ins 19. Jahrhundert oder bis in die Zeit nach 1933 reichen.

Veranstalter der Tagung:  Dr. Gundula Gahlen (Freie Universität Berlin) | Dr. Björn Hofmeister (Freie Universität Berlin) | Dr. Christoph Nübel (ZMSBw, Potsdam)

Die Organisatoren bitten um die Einsendung eines Themenvorschlags und eines Abstracts von maximal zwei Seiten zusammen mit einem kurzen Lebenslauf und einer Publikationsliste an Gundula Gahlen (gundula.gahlen[at]fu-berlin[dot]de) oder Björn Hofmeister (bhofmeister[at]zedat.fu-berlin[dot]de

Vorbehaltlich der Mittelzusage werden Fahrt- und Übernachtungskosten für Vortragende übernommen. Im Anschluss an die Tagung ist eine Publikation der Beiträge in einem Sammelband geplant.

Tagungsort:  Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Koserstraße 20, 14195 Berlin

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Kontakt:

Dr. Gundula Gahlen

Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin

+49 30 838 56557

gundula.gahlen[at]fu-berlin[dot]de

 

Marc Hansen

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