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Festungsbau im Kalten Krieg

Das Fort auf Langeland, Dänemark
Von: 
Christoph Nübel

Die Beherrschung strategisch wichtiger Meerengen ist eine klassische Aufgabe von Seefestungen. Während des Kalten Krieges sorgten zwei Anlagen auf dänischem Gebiet für die Überwachung und Verteidigung des Ostseeausganges. Das Stevnsfortet im Südosten Seelands schirmte den Öresund ab, während das Langelandsfortet den Langelandsbelt kontrollierte. Im Ernstfall konnten die Anlagen so die schiffbaren Routen ins Kattegat und Skagerrak von den Ostseeflotten des Warschauer Paktes abriegeln und spielten somit eine bedeutende Rolle im Verteidigungskonzept der NATO.

Das dänische Langelandsfort war 1953 in Dienst gestellt worden und war mit Luftabwehrbatterien, vier 15-cm-Geschützen sowie umfangreicher Überwachungstechnik ausgestattet. Bei der Beaufsichtigung des Schiffsverkehrs, der Hauptaufgabe in Friedenszeiten, waren hier 1962 auch jene Fotografien entstanden, die Raketen an Deck eines sowjetischen Frachters zeigten und somit die Bedrohung der USA durch die im Bau befindlichen Raketenbasen auf Kuba unterstrichen. Taten während der 50er Jahre 400 Mann im Fort Dienst, sank diese Zahl später deutlich ab, da wegen der Außerdienststellung der offensichtlich wertlos gewordenen Festungsartillerie weniger Personal benötigt wurde.

Nach der Stilllegung des Forts 1993 wurde 1997 das Museum gegründet, das heute den Namen „Koldkrigsmuseum Langelandsfort“ trägt. Das Areal mit den verstreut angelegten Operations-, Munitions- und Maschinenbunkern, das zu Fuß erkundet werden kann, zeigt recht eindrücklich die gesteigerten Ausmaße des modernen Festungsbaus. Eine Vielzahl der Bunker ist begehbar und jeweils mit erläuternden Hinweistafeln versehen. Sie sind dabei weitgehend in der Originalausstattung belassen worden. Von den vier Geschützstellungen ist eine vollständig begehbar, Geschütz und Munitionsraum inbegriffen. Die Waffen wurden während des Zweiten Weltkrieges in den Škodawerken hergestellt und waren ursprünglich für deutsche Küstenbefestigungen bestimmt. Das Museum strebt an, auch allgemeine Informationen insbesondere zur Militärgeschichte des Kalten Krieges bereitzuhalten. Deshalb findet sich auf dem Gelände weiteres Großgerät (MiG 23 MF, Saab Draken J 35, U-Boot „Springeren“, Minensucher „Askø“). Eine Ausstellung informiert sowohl über die Geschichte des Kalten Krieges im Allgemeinen als auch über die des Forts im Besonderen. Die dänische Marinegeschichte findet ebenso Berücksichtigung wie der Dienstalltag in der Anlage. Während meines Besuches im Sommer 2010 gastierte zudem eine Ausstellung der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR zu Staatssicherheit und Geheimdienstwesen im Museum.

Weitere Informationen zur Anlage, Didaktik und Perspektiven des Museums sowie Karten- und Bildmaterial lassen sich der Museumskonzeption entnehmen, abrufbar unter: http://www.langelandsfortet.dk/Fondsansøgning.pdf

Die Seite http://www.langelandsfortet.dk hält zudem umfangreiche Detailinformationen zum ausgestellten Gerät bereit.

Koldkrigsmuseum Langelandsfort
März, April, Oktober tgl. 10.00 – 16.00 Uhr
Mai – September tgl. 10.00 – 17.00 Uhr
Erwachsene 85 DKK
Jugendliche unter 18 Jahren frei
Gruppen ab 15 Personen 70 DKK

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Zitierempfehlung

Christoph Nübel, Festungsbau im Kalten Krieg. Das Fort auf Langeland, Dänemark, in: Portal Militärgeschichte, 13. Januar 2012, URL: http://portal-militaergeschichte.de/node/10. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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